Velveteen
Guten Tag, hier kommt weder die Gitarrenwand
Dass der Prophet im eigenen Land nichts gilt, ist oft genug leider Realität. So dramatisch müssen wir es bei Velveteen aber nicht sehen. Obwohl den Frankfurter Indie-Rockern 2009 vor allem in Amerika erfreulich viel Aufmerksamkeit zuteil wurde. Ein eifriger wie pfiffiger
US-Blogger verbreitete das Gerücht, bei „Home Waters“ handele es sich um ein neues Projekt
von Death Cab for Cutie, Link zur Musik inklusive. Dort luden sich die aufgeschreckten Fans Velveteens drittes Album runter und waren nicht enttäuscht. Die Story wurde sogar von MTV aufgegriffen – bessere Promotion kann man ohne eigenes Zutun gar nicht bekommen.
Und so reichte jetzt allein die Ankündigung der Veröffentlichung einer neuen CD am 26.2. für Feedbacks, in denen der Titel „27“ die Phantasie beflügelte und Mysteriösestes beschworen wird. Jimi Hendrix, Jim Morrison, Janis Joplin und Kurt Corbain – alle sind in diesem Alter gestorben.
Schon ist die Neugier wieder geweckt. Aber zur Zahlenmystik bekennen sich Carsten Schrauff
(Gesang, Gitarre), Chris Sparkes (Bass), Tommy Müller (Schlagzeug, Keyboard) und Christoph Faust (Gitarre, Keyboard) nicht. „Wir wollten immer schon mal ein Album einfach nach einer Zahl benennen. Auf der Suche nach möglichen Titeln hat sich herausgestellt, dass wir insgesamt 27 Wochen im Studio waren“, bringt Schauff wieder Sachlichkeit ins Spiel. Kein inhaltsschwangerer Titel, nicht Programmatisches, keine Ablenkung von der Musik, darum ging es Velveteen vor allem. Damit die Hörer entdecken mögen, das es mehr als die viel zitierten Gitarrenwände zu entdecken gibt. „Wer wird schon gern auf Lautstärke reduziert? Wir bauen gerne Gitarrenwände, die aber aus vielen, vielen kleinen verworrenen Melodien, Akkorden oder Figuren bestehen, vordergründig breit erscheinen und bei genaurem Hinhören sich einzeln erschließen“, gibt der Sänger Verständnishilfe.
Auch die Lyrics sind beachtenswert. „Wir scheuen den Weg in die politische Thematik oder in die der Fantasie und beschreiben lieber unsere eigene kleine Welt und Dinge, die wir als wertvoll genug betrachten, thematisiert zu werden.“ Getreu dem Motto: Es muss nicht weltbewegend sein, um dennoch bewegend zu sein.
Hörprobe aus dem neuen Album:
www.myspace.com/velveteenmusic