Enno Bunger
Ganz schön larmoyant. Das war das erste, war ich dachte, als ich die Lieder von Enno Bunger
hörte. Es war ein Sonntagnachmittag, und da ich sonntagnachmittags in der Regel durchaus
offen bin für Larmoyanz, hörte ich das Album gleich noch einmal. Und noch mal. Und noch
mal.
Als ich mich am Abend auf dem Weg zum Kino dabei ertappte, wie ich in der U-Bahn „Alles
wird gut, alles wird gut“ leise vor mich hinsummte, war mir klar, dass ich die Schublade mit
dem Schildchen „traurige junge Männer“ noch mal aufmachen musste, in die ich Enno Bunger voreilig gestopft hatte (gestopft deshalb, weil die schon ziemlich voll ist). Ich hörte die Platte noch mal und noch mal, studierte die Texte und lauschte den Lieder so aufmerksam wie man ein Buch liest.
Hernach stellte ich mir Enno Bunger als einen glücklichen jungen Mann vor.
Nicht nur, weil er ein Talent hat für anrührende Popsongs, das weiter über das des anderen
großen Sohnes der Stadt Leer, H.P. Baxxter, hinausgeht. Auch weil seine Lieder so klingen,
als hätte er sie geschrieben, nachdem er nach einer sehr dunklen Zeit wieder ans Licht getreten ist. „Ein neuer Tag öffnet mir meine Augen/ Alles strahlt in goldenem Licht/ Ich bin
verwirrt und ich kann es kaum glauben/ Ich glaube endlich wieder an mich“, lauten die ersten
Zeilen des Debütalbums seiner Band, die so heißt wie er. Und die Musik scheint diese
hoffnungsvollen Zeilen zu bestätigen. Ennos Klavier perlt wie Tautropfen eines neuen Tages,
Bernd Frikkes Bass und Nils Dietrichs Schlagzeug treiben den Song voran, machen aus einer
melancholischen Pianoballade großen, gen Himmel strebenden Pop.
Das sind Lieder zu denen man weinen und lachen kann, sich euphorisch im Kreis drehen und
schluchzend aufs Bett fallen, mit Freunden feiern und alleine grübeln. Zu denen man die Welt
umarmen möchte, auch wenn man dann vielleicht merkt, dass das beizeiten ganz schön
wehtut.
Enno Bungers großes Thema ist die Hoffnung. Nicht die Hoffnung auf irgendeinen
glücklichen Zufall oder einen Erlöser aus Wolkenkuckucksheim, sonder eine Hoffnung die
sich aus seinem Glauben an die Kraft von Liebe, Freundschaft und Solidarität stützt. Klingt
das arg pathetisch? Nun, das soll es ja auch. Mit Bedenken und In-Konjuktiven-Reden lässt
sich die Angst, die uns alle beizeiten verfolgt, nicht besiegen. Mit einem Chor aus Menschen,
die in Freundschaft zusammenstehen und singen „Alles wird gut“ schon eher.
Das ist das Besondere an diesen Lieder: Sie verharren nicht in der Songwriter-Introspektion,
sondern sind zu Hause im „Hier und Jetzt“ und gehen vom Ich zum Du zum Wir. Auf die
berechtigte Frage „Warum muss alles so kompliziert sein?“ folgt mit „Ich kann’s nicht mehr
hören“ ein echter, wütender, ganz und gar unlarmoyanter Protestsong, der die herrschenden
Verhältnisse in Frage stellt. „Weltuntergang“ spendet Trost, ruft aber zugleich zur Aktion.
Enno Bunger, der Mann, der auf sein Herz hört, stellt die richtigen Fragen, und findet nicht
selten auch die richtigen Antworten. „Verlier nicht die Hoffnung/ Bitte gib dich nicht auf/ Hör
nicht auf zu tanzen/ Halt den Himmel nicht auf.“
Ein frischer Wind weht da aus Ostfriesland herüber. Der Vorhang fällt, die Lichter brennen
aus und wir wissen, alles wird gut. Für Enno Bunger – und nun vielleicht auch für uns.
Hörprobe: www.myspace.com/ennobunger
Karten gibt es auch im VVK unter www.Ticketmaster.de oder 0 18 05 – 9
69 00 00 (0,14 € / Minute)
VVK: 8.- AK: 10,-